2019

herman de vries Gerhard-Altenbourg-Preis 2019

herman de vries, from earth: europe (Detail), 2016, Erdpigmente auf Papier, (66 ×) 50 × 70 cm, © herman de vries, Foto: Horst W. Kurschat

Der Gerhard-Altenbourg-Preis 2019 würdigt den 1931 im niederländischen Alkmaar geborenen herman de vries. Sein Werk umfasst Gemälde, Collagen, Grafiken, Textbilder, Skulpturen, Künstlerbücher und Installationen für den öffentlichen Raum. Zudem beschäftigt er sich als Essayist und Philosoph auch theoretisch mit der Kunst.
In den 1950er Jahren fand herman de vries über die informelle Malerei zur Kunst, gehörte in den 1960er Jahren zum Umfeld der Gruppe ZERO und arbeitete an seinen weißen Bildern (white paintings). Aus dieser radikalen Reduktion entstand die Faszination für das Spannungsfeld zwischen Natur und Kunst, die sich seither wie ein roter Faden durch sein Œuvre zieht.

Gegensätze definieren und strukturieren das weitverzweigte Werk des Künstlers. Seit 1970 lebt er zurückgezogen im unterfränkischen Eschenau, wenn er nicht gerade die entlegensten Orte der Welt bereist. Auf seinen ausgedehnten Streifzügen sammelt er Naturalien, die er zuhause archiviert, katalogisiert und neu arrangiert. Er erhebt die Natur zur Künstlerin und zitiert in seinen Werken immer wieder andere Künstler und Kunstwerke. Die Arbeiten von herman de vries folgen einem umfassenden Kunstbegriff, der die Sinne und den Intellekt gleichermaßen anspricht und in Anspruch nimmt.

Mit den Waffen einer Frau Furchtlose Frauengestalten der Antike

Unbekannter Künstler, Umzeichnung der sogenannten Amazonen-Vase von Ruvo, 1851, Aquatinta, 36,4 x 88,5 cm

„Denn eine Frau ziert Schweigen, ziert Bescheidenheit am schönsten, und im Hause still zu sein.“ Euripides' Vorstellung einer beispielhaften Frau war in der von Männern dominierten Gesellschaft des antiken Griechenlands weit verbreitet. Dennoch gab es auch im Altertum abweichende Rollenbilder.

Die Ausstellung widmet sich ungewöhnlichen antiken Frauengestalten: von der homerischen Femme fatale Kirke über wehrhafte, in Ekstase tanzende Mänaden bis hin zur zähen Amazone, die sich voller Heldenmut in den Zweikampf stürzt.

humboldt⁴ Altenburg und die Welt

Jean-Thomas Thibaut (nach einer Skizze von Alexander von Humboldt), Le Chimborazo vu depuis le Plateau de Tapia (Detail), vor 1810, kolorierter Kupferstich, 40 x 60 cm

Vier Museen des Altenburger Landes nehmen Alexander von Humboldts 250. Geburtstag zum Anlass, in vier Ausstellungen an Humboldts Leben und seine Bedeutung für die Region zu erinnern. Der Einfluss des großen Gelehrten reichte bis in die kleinsten deutschen Städte. Sowohl Bürger wie Regenten fühlten sich angespornt, ihm nachzueifern. Eine Verehrung, die bis heute andauert.
Das Lindenau-Museum Altenburg widmet sich in seiner Ausstellung „Altenburg und die Welt“ den Forschungsreisenden Georg Forster und Alexander von Humboldt sowie den Beziehungen Humboldts zu Bernhard August von Lindenau.

Gezeigt werden originale Zeichnungen Forsters von seiner Expedition mit James Cook, aber auch Humboldts berühmtes Werk über Südamerika, das Lindenau schon früh für seine Kunstbibliothek erwarb, und viele andere Reminiszenzen an Humboldts Reisen.
Weitere Ausstellungen finden im Museum Burg Posterstein, im Naturkundemuseum Mauritianum Altenburg sowie im Schloss- und Spielkartenmuseum statt.

Fotografien von Matthias Schaller

Matthias Schaller, Milano La Scala (Detail), 2005, © Matthias Schaller

In den Arbeiten des Fotokünstlers Matthias Schaller geht es um die Kraft des leeren Raumes. In einer 2005 begonnenen Serie italienischer Opernhäuser sind die geschwungenen Linien der Zuschauerlogen Ausdruck einer Energie, die zwar vom Menschen geschaffen ist, aber wie die Musik weit über ihn hinausweist.

Eine weitere in Altenburg präsentierte Serie zeigt die zwischen Repräsentationswillen und Bescheidenheit schwankenden Arbeitsräume der Kardinäle im Vatikan.

Das Bauhaus Grafische Meisterwerke von Klee bis Kandinsky

Wassily Kandinsky, Komposition (Detail), 1922, Lithografie, Lindenau-Museum Altenburg

Im Herbst 1921 präsentierte Walter Gropius mit Lyonel Feininger, dem Leiter der druckgrafischen Werkstatt am Bauhaus Weimar, eines der wichtigsten transnationalen Kunstprojekte nach dem Ersten Weltkrieg: Unter dem Titel „Neue Europäische Graphik“ luden sie die künstlerische Avantgarde Europas ein, je eine Druckgrafik zu einer fünf Mappen umfassenden Werkschau aktueller Grafik beizusteuern. Dem national ausgerichteten Kulturbegriff sollte die Idee eines kosmopolitischen Künstlerbundes entgegengehalten werden.
Dabei entstanden bis 1924 die Mappen I, III, IV und V mit Druckgrafiken deutscher, italienischer und russischer Künstler. Mappe II mit Arbeiten französischer Künstler blieb Fragment. Das Lindenau-Museum ist eines der wenigen Museen, das in Besitz aller vier edierten Mappen ist.

Als Beitrag zum Jubiläum „100 Jahre Bauhaus“ werden alle grafischen Blätter der „Neuen Europäischen Graphik“ in einer Ausstellung präsentiert, darunter Arbeiten von Max Beckmann, Marc Chagall, Giorgio de Chirico, Lyonel Feininger, Wassily Kandinsky, Ernst Ludwig Kirchner und Paul Klee. Daneben werden einige seltene Druckserien der Bauhauslehrer Feininger, Gerhard Marcks und Georg Muche zu sehen sein, die am Bauhaus entstanden sind.

Faltblatt mit Begleitprogramm

Die rätselhafte Sphinx Ausstellung zur Oper „Œdipe“ im Landestheater Altenburg

Carl Marcus Tuscher nach einer Zeichnung von Frederik Ludvig Norden, Die Große Sphinx von Gizeh (Detail), 1744, Tiefdruckverfahren

Wahrscheinlich ist es das berühmteste Rätsel der Menschheit: Was ist mit einer Stimme versehen und hat am Morgen vier Beine, am Mittag zwei und am Abend drei?
Die Sphinx stellt Ödipus vor den Toren Thebens diese Frage, die ihn das Leben kosten kann, aber er weiß die Antwort. Es ist der Mensch, der am Morgen seines Lebens auf allen vieren krabbelt, dann sich auf zwei Beine erhebt, bevor er am Lebensabend ein drittes Bein benötigt, den Stock. Nach des Rätsels Lösung stürzt sich die Sphinx in den Abgrund und Ödipus hat Theben von einer gewaltigen Bedrohung befreit.
Im Drama von Sophokles ist die Sphinx nach dem antiken Mythos vor allem ein

Unheil stiftendes Wesen. Hervorgegangen aus der Verbindung zweier grausamer Monster, spielt sie eine entscheidende Rolle bei der Erfüllung des tragischen Schicksals von Ödipus.
Die griechische Kunst zeigt das Mischwesen mit einem Löwenleib und einem lieblichen weiblichen Antlitz aber auch in einem anderen Zusammenhang: Als Hüterin der Totenruhe stehen ihre Statuen auf Gräbern. Von hohen Säulen herab hält sie Frevler von Heiligtümern fern.
Dank ihrer Vieldeutigkeit und ihrer geheimnisvollen Ausstrahlung geht von der Sphinx eine unwiderstehliche Faszination aus. Die Ausstellung geht auf Darstellungen und Deutungen der Sphinx von der Antike bis zur Gegenwart ein.

Faltblatt mit Begleitprogramm

Die Welt von gestern. Malerei und Grafik des 19. Jahrhunderts

Gotthard Kuehl, Gesangsstunde, 1886, Pastell, 46,5 x 65,5 cm, Lindenau-Museum Altenburg (Detail)

Das sogenannte lange 19. Jahrhundert dauerte von der Französischen Revolution 1789 bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914. In diesen
125 Jahren wurden alle Weichen für die Welt, wie wir sie kennen, gestellt. Ungebremste Industrialisierung, das Erwachen nationaler Ideologien und heroische Umdeutungen der Geschichte stehen neben Romantik, biedermeierlichen Rückzugsgedanken und der Sehnsucht nach einer idealisierten Ferne.
Wenn wir heute auf Gemälde mit Szenen aus dem Mittelmeerraum blicken, können wir die gegenwärtige Flüchtlingskatastrophe nicht ausblenden. Wenn wir Waldidyllen betrachten, haben wir die durch den Klimawandel verursachten Naturkatastrophen vor Augen.

Und auch wenn sie schon damals nicht das war, was wir nostalgisch in sie hineinlegen, bezaubert uns die Welt von gestern. Aus den reichen Beständen des Lindenau-Museums zeigen wir kaum bekannte Landschaften und Genrebilder, aber auch Darstellungen mythischer Geschichten und vergessen dabei nicht die in Altenburg tätigen Maler der Zeit.
Die Spanne der Künstler reicht von Carl Gustav Carus, Filippo Agricola, Ludwig Doell bis Gotthard Kühl, Karl Moßdorf, Ferdinand von Rayski, Albert Rieger und Théodore Rousseau.

Faltblatt mit Begleitprogramm

Die einzig revolutionäre Kraft. Kunst und Revolution 1918 und 1968

Verlängert bis 20. Januar 2019!

Vor 100 Jahren schlossen sich viele Künstler, die traumatisiert aus dem Ersten Weltkrieg zurückkehrten, zu revolutionären Vereinigungen zusammen. Im Zuge der Oktoberrevolution in Russland sollte mit künstlerischen Mitteln die Vision einer neuen Gesellschaft realisiert werden – jenseits von Militarismus, Nationalismus und Kapitalismus. Fünfzig Jahre später schien die Möglichkeit einer besseren Welt erneut greifbar: Im Jahr 1968 kulminierten weltweit Proteste gegen den Vietnamkrieg, gegen die Elterngeneration, gegen Repression und Denkschranken. Ein wichtiger Träger dieser Bewegung war die Kunst. Hier konnten neue Formen des Zusammenlebens spielerisch erprobt, Utopien formuliert und Zeitgeschichte kommentiert werden.

Die Altenburger Ausstellung fragt anlässlich des doppelten Jubiläums nach dem beiden historischen Ereignissen innewohnenden revolutionären Potenzial von Kunst und stellt sich die Frage, wo diese entscheidende Kraft der Kunst heute geblieben ist. In drei Räumen erleben die Besucher die Jahre 1918 und 1968 durch den Spiegel der Kunst, um sich schließlich in der Gegenwart wieder zu finden, wo die Kunst erneut als Möglichkeitsform des Widerstandes entdeckt wird. Gezeigt werden u. a. Arbeiten von Conrad Felixmüller, George Grosz, Elisabeth Voigt, Klaus Staeck, Carlfriedrich Claus, Wolfgang Mattheuer, A. R. Penck, Volker Stelzmann, den Wiener Aktionisten, Jonathan Meese und Joseph Beuys, dem ein Satz zugeschrieben wird, der dieser Ausstellung den Titel gegeben hat: „Die einzig revolutionäre Kraft ist die Kunst.“