2016

ALTENBOURG IN ALTENBURG. Die Schenkung Pfäffle und die Stiftung Gerhard Altenbourg

Der umfangreiche Bestand an Werken Gerhard Altenbourgs (1926 – 1989) im Lindenau-Museum konnte im vergangenen Jahr erneut erweitert werden: 25 herausragende Arbeiten – mit einer Ausnahme Zeichnungen aus allen Schaffensphasen Altenbourgs – umfasst die Schenkung von Dr. Suse und Dr. Werner Pfäffle. Anlässlich des 90. Geburtstags des Künstlers am 22. November 2016 präsentieren wir die „Schenkung Pfäffle“ in einer großen Sonderausstellung.
Zugleich stellen wir die 2002 gegründete Stiftung Gerhard Altenbourg vor, die seit 2013 in enger Kooperation mit dem Lindenau-Museum geführt wird. Die Stiftung betreut und erschließt systematisch den Nachlass des Künstlers, zu dem untrennbar das Wohnhaus Altenbourgs gehört, das er über die Jahre zu einem Gesamtkunstwerk geformt hat. Kaum eine Wandfläche, kaum eine Tür, die er nicht gestaltet hätte. Einige dieser Werkstücke werden in der Ausstellung mit den zugehörigen Entwürfen zu sehen sein.
Zwei fotografische Serien binden die Exponate in ihren ursprünglichen Zusammenhang ein: Kurz nach Altenbourgs Tod machte der Dresdner Fotograf Ulrich Lindner Aufnahmen im Altenbourg-Haus. Claus Bach dokumentierte 2013 auf einem Streifzug durch Haus und Garten des Künstlers die Poesie dieses einzigartigen Ensembles.
Eine Auswahl aus der Bibliothek Altenbourgs mit Werken der für sein Schaffen maßgeblichen Autoren wie Theodor Däubler oder Johannes Bobrowski sowie der Film „Die Brücke – Tagträume und Nachtbilder. Der Maler Gerhard Altenbourg“ (1990) von Marie-Luise Rohde runden die Ausstellung ab.

Die Ausstellung wird kuratiert von Lucius Grisebach. Es erscheinen zwei begleitende Kataloge.

MIT MEINEN FREUNDEN - Peter Schnürpel zum 75. Geburtstag

Für seine 2016 anstehende Jubiläumsausstellung entschied sich der in Altenburg lebende Maler und Grafiker Peter Schnürpel (*1941) gegen das klassische Format einer Personalschau und lud einige befreundete Künstler dazu ein, dieses Vorhaben gemeinsam mit ihm zu gestalten.

Über den Rahmen des eigenen Wirkens hinausdenkend, hat Schnürpel damit den Anstoß zu einer Ausstellung gegeben, die neun bekannte Gegenwartskünstler in einer besonderen Konstellation präsentiert. Sie gewährt nicht nur einen schlaglichtartigen Blick auf das Schnürpelsche Œuvre, sondern auch auf das Schaffen von Michael Morgner, Gerhard Kurt Müller, Rolf Münzner, Walek Neumann, Thomas Ranft, Gil Schlesinger, Reiner Schwarz und Dietmar Vettermann.

Gezeigt werden Druckgrafiken der letzten Jahrzehnte.

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen.

"Ein ebenso schöner, wie geistreicher Mann..." - Bernhard August von Lindenau im Dienste der Wettiner

Was wären Fürsten und ihre Länder ohne kluge, weitsichtige Staatsmänner? Einer der wichtigsten dieser „Diener der Macht“ im 19. Jahrhundert war der in Altenburg geborene Bernhard August von Lindenau (1779–1854). 1798 trat der junge Adelige in den Staatsdienst des Herzogtums Sachsen-Gotha-Altenburg ein. Noch unter Herzog Ernst II. begann er als Astronom auf der Gothaer Sternwarte zu arbeiten. Das gute europäische Netzwerk Lindenaus wollte Herzog Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach nutzen und sandte den Altenburger 1814 zu Friedensverhandlungen nach Paris. Unter dem verschwenderischen Herzog August kam Lindenau in Gotha die Aufgabe zu, die desolaten Finanzen zu ordnen. Für den kranken Herzog Friedrich IV. leitete er die Regierungsgeschäfte. Die Gothaer nannten ihn in dieser Zeit liebevoll Herzog Bernhard. Ab 1827 in Diensten der sächsischen Könige avancierte Lindenau schnell zum ersten Minister. Altenburg verdankt ihm vor allem eine Kunstsammlung von internationaler Bedeutung. Der Museumsbau, der diese Sammlungen heute beherbergt, entstand vor 140 Jahren nach Plänen des Semper-Schülers Julius Robert Enger (1813–1873). Zeichnungen des Berliner Künstler Matthias Beckmann, die 2014/15 im Lindenau-Museum entstanden, schlagen den Bogen in die Gegenwart.
Die Exposition will die Landesausstellung, die unter dem Titel „Die Ernestiner. Eine Dynastie prägt Europa“ in Weimar und Gotha stattfindet, ergänzen und begleiten. Sie wird in Kooperation mit dem Thüringischen Staatsarchiv Altenburg realisiert.

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen.
Faltblatt mit Begleitprogramm

Altenbourg im Dialog IV – Paul Eliasberg (1907-1983)

„Darum ist Ihre Kunst in einer Zeit, wo die Knalleffekte am meisten geschätzt werden, im Grunde unzeitgemäss und das in einem äusserst positiven Sinne. Vielleicht liegt hier der Schlüssel zu unseren Affinitäten.“
(Paul Eliasberg an Gerhard Altenbourg im Januar 1972)

Das Lindenau-Museum beherbergt den weltweit größten Werkbestand des Künstlers Gerhard Altenbourg. Die Ausstellungsreihe Altenbourg im Dialog ist den künstlerischen Korrespondenzen dieses bedeutenden Zeichners, Druckgraphikers und Buchkünstlers gewidmet.
Der vierte und letzte Teil dieser Reihe beleuchtet die Beziehung Altenbourgs zu Paul Eliasberg und dessen Werk.
Nach Martin Disler, Werner Heldt und Julius Bissier wird nun das Werk eines Künstlers mit demjenigen Gerhard Altenbourgs in Beziehung gesetzt, den dieser persönlich kannte und schätzte. In zahlreichen Briefen und Karten betonen beide ihre innere Verwandtschaft.
Das verbindende Element in den Druckgraphiken beider Künstler ist die Hinwendung zur Landschaft, insbesondere zu Bergen, Hügeln und Bäumen. Seit 1957 reiste Eliasberg fast jährlich nach Griechenland, Altenbourg liebte das Thüringer Hügelland und den Harz. Formale Ähnlichkeiten in den Radierungen und Lithographien sind offensichtlich. Beide Künstler teilten auch eine große Liebe zur Literatur miteinander.

Den Kern der Ausstellung bilden sieben Radierungen von Eliasberg mit persönlicher Widmung aus dem Nachlass Gerhard Altenbourgs. Dieser wiederum sandte Eliasberg seine erste große Publikation, Ich-Gestein, die der Propyläen-Verlag im Jahre 1971 herausgab.
Neben Eliasbergs Radierungen und den Lithographien Altenbourgs, werden auch einige der lichten, zartfarbigen Aquarelle von Paul Eliasberg sowie Federzeichnungen gezeigt.
Anliegen der Ausstellung ist es auch, einen zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Künstler zu zeigen. Die letzte Museumsausstellung mit Werken Paul Eliasbergs fand 1989 statt.

In der Begleitpublikation zur Ausstellung wird erstmals die Korrespondenz der Künstler publiziert.

Marta Dal Sasso Bernhard von Lindenau Stipendium 2015

Der 225. Geburtstag und 150. Todestag des "Gelehrten, Staatsmannes, Menschenfreundes und Förderers der schönen Künste" Bernhard August von Lindenau im Jahre 2004 war Anlass, ein Kunststipendium zu begründen. Mit der Förderung im Sinne des Museumsgründers soll jungen bildenden Künstlern unmittelbar nach Abschluss ihres Studiums eine Chance zu unabhängiger, experimenteller Arbeit und deren Präsentation in einem renommierten Kunstmuseum gegeben werden.
Marta Dal Sasso, geboren 1979 in Schio bei Vicenza in Italien, hat zunächst an der Académie Royale des Beaux-Arts, Brüssel studiert. 2008 war sie Stipendiatin an der Internationalen Sommerakademie Salzburg. 2012 begann sie ein Studium an der Hochschule für Bildende Künste Dresden in der Klasse von Ralf Kerbach und nahm an der Berliner Liste, Messe für zeitgenössische Kunst, Galerie Leonart, Berlin, teil. Seit Sommer 2013 ist sie Meisterschülerin bei Prof. Ralf Kerbach. Marta Dal Sasso lebt in Brüssel und Dresden. Sie widmet sich Malerei und Zeichnung gleichermaßen und schreibt über ihre Kunst: "What I paint is the result of contamination between seemingly polarized elements. What needs to be given up in order to achieve transformation?"

Faltblatt zur Ausstellung

In Szene gesetzt Aus Porträts werden Kleider

Farbenprächtig und mondän, aufwendig und detailverliebt oder frisch und modern, präsentieren sich die Dargestellten auf den vielseitigen Porträts des Lindenau-Museums – ganz gemäß der Zeit, in der sie lebten.
Die neue Sonderausstellung nimmt ihre Gäste mit auf eine Zeitreise durch die Welt der Kleider und Kostüme. Dank der großen Vielfalt der Gemäldesammlung beginnt diese Reise schon im 15. und 16. Jahrhundert mit namhaften Malern wie Domenico Ghirlandaio und Lucas Cranach. Barocke Porträts des 17. Jahrhunderts – wie das des Winterkönigs aus der Werkstatt des Michiel van Mierevelt schließen sich an. Ihnen folgen Werke aus dem 18. und 19. Jahrhundert wie Die Römerin, eine Vase auf dem Kopf tragend von Oscar Begas oder die Albanerin von Ludwig Doell. Die Porträtmalerei des 20. Jahrhunderts wird unter anderem durch Porträts von Raoul Hausmann und Pamela Wedekind präsentiert, die der Maler Conrad Felixmüller schuf.
Einige Kostüme der Porträtierten treten in der Ausstellung aus ihren Bildern heraus und werden plastisch erlebbar. Die Studierenden der Hochschule für Bildende Künste in Dresden Janina Fischer, Moritz Haakh, Sebastian Helminger, Anne Sophie Lohmann, Anna Lutz, Mareike Müller, Nora Schewe und Olga Schulz haben diese Kostüme historisch genau hergestellt.
Zahlreiche in der Ausstellung gezeigte Werke konnten im Vorfeld dank verschiedener Spenden restauriert werden.
Ein besonders herzlicher Dank geht an die Ernst von Siemens Kunststiftung, die eine größere Summe für drei Porträtrestaurierungen großzügig und unkompliziert zur Verfügung gestellt hat.

Das Lindenau-Museum zeigt nun eine Fülle dieser Porträts – mit und ohne Kostüm. Ein eigener Ausstellungsraum ist den Kinderbildnissen gewidmet. Die beeindruckenden Porträtphotographien von Oliver Mark und die Porträtmalerei des Künstlers Tilman Kuhrt führen die Ausstellung in die Gegenwart.

Faltblatt zur Ausstellung