Von Büchern und Menschen – Teil 1

Gehören auch Sie zu den Menschen, die Ihren Namen in die eigenen Bücher eintragen? Tatsächlich finden sich bereits in mittelalterlichen Handschriften wiederholt Namenseinträge früherer Besitzerinnen und Besitzer. Augenfällig ließ sich durch solche Vermerke der eigene Besitzanspruch auf das kostbare Werk dokumentieren.

Im Laufe des 18. Jahrhunderts wurde zudem damit begonnen, Farbstempel zu nutzen, um Bücher als das Eigentum einer Privatperson oder einer Institution zu kennzeichnen. Im Lindenau-Museum Altenburg finden sich so noch heute einzelne Exemplare, die durch den Stempelabdruck „BIBLIOTH. DUC. ALTENBURG“ als früherer Besitz der Herzöge von Sachsen-Gotha-Altenburg erkennbar sind.

Bis in die Gegenwart nutzen vor allem Bibliotheken Stempel, um ihre Bestände zu kennzeichnen. Dabei finden sich Stempelabdrücke an den unterschiedlichsten Stellen der Bücher. Sei es auf dem Schmutztitel, dem Titelblatt, der Impressumsseite oder gar auf einer Textseite.

Daneben existieren seit dem 15. Jahrhundert auch Blätter, die als Besitzvermerk mit Wappen bedruckt wurden. Ab dem 18. Jahrhundert wichen diese zunehmend Symbolen und Allegorien, christlichen Bildmotiven oder Bildern nach literarischen Vorlagen.

Bezeichnet werden solche Blätter als Exlibris. Der Begriff entstammt dem Lateinischen und bedeutet wörtlich übersetzt „aus den Büchern“. Häufig auf der Innenseite des vorderen Deckels angebracht, ist die grafische Gestaltung mit dem Namen der besitzenden Person oder einer Sammlung verknüpft.

Für die Forschung sind jedwede Besitzvermerke von größter Bedeutung. Daher möchten wir in diesem Blog in loser Folge Stempel, Exlibris und handschriftliche Notizen vorstellen, denen wir bei der täglichen Arbeit in den uns anvertrauten Bücherschätzen der Bibliothek des Lindenau-Museums begegnen.

Stempel des Kunstgewerbe-Vereins Altenburg, S.-A.

Kunstgewerbeverein Altenburg

Unter A 400 D verortet die Bibliothek des Lindenau-Museums ein Exemplar des Statistischen Handbuchs für Kunst und Kunstgewerbe im Deutschen Reich 1881, welches Rudolf Springer im gleichen Jahr in Berlin herausgegeben hat. In diesem findet sich der querovale Stempel des Kunstgewerbevereins Altenburg. Zusätzlich klebte der Verein sein Exlibris ein. Das hochrechteckige Blatt, welches von dem 1877 in Meuselwitz geborenen Künstler Ernst Geitel geschaffen wurde, zeigt im oberen Drittel mittig ausgerichtet ein von Astwerk eingefasstes Wappen. Dieses stellt sich als Malerwappen mit drei Schilden sowie den darübergelegten Attributen des Bauhandwerks in Form von Hammer und Zeichendreieck dar. Flankiert wird das Wappen von Hand und Rose aus dem Schildbild des Altenburger Stadtwappens. Darunter erscheinen zunächst Bücher, ein Zirkel, eine Zeichnungsmappe und eine Malerpalette mit Pinseln. Ein Schriftband mit der Aufschrift „EXLIBRIS Kunstgewerbeverein Altenburg. S.A.“ bildet schließlich den unteren Abschluss des Motivs.

Exlibris des Kunstgewerbevereins Altenburg

1879 gegründet, hatte es sich der Kunstgewerbeverein Altenburg zum Ziel gesetzt, das hiesige Kunsthandwerk zu fördern und zu stärken. Zu diesem Zwecke unterhielt der Verein für seine Mitglieder eine Bibliothek und eine Sammlung an Vorlageblättern und Modellen. Auch wurden regelmäßig Vorträge zur Schulung angeboten. Nach Auflösung des Vereins im Jahre 1935 gingen dessen Bestände, darunter auch die Vereinsbibliothek, an das Lindenau-Museum, während das Aktenmaterial an das Landesarchiv Thüringen – Staatsarchiv Altenburg übergeben wurde.

Walter Grünert

In dem 1905 erschienenen Buch „Scraps from a collector‘s note book (…)“ von Friedrich Hirth (Lindenau-Museum Altenburg, C 400 Ch) findet sich am unteren Rande des Titelblatts der Stempelabdruck „AUS D. BÜCHEREI WALTER GRÜNERT“.

Der Genannte arbeitete von 1929 bis 1964 am heutigen Staatsarchiv Altenburg. Daneben ist Walter Grünert zwischen 1933 und 1939 als ehrenamtlicher Bibliothekar am Lindenau-Museum beschäftigt gewesen. Wie Heinrich Mock auch, der das Kunstmuseum von 1933 bis 1937 geleitet hat, gehörte Grünert bis 1937 dem Vorstand des Kunstvereins an.

Stempel am unteren Rande des Titelblatts von „Scraps from a collector‘s note book (…)“

Neben dem Stempel findet sich in dem Band zugleich das von Grünert gebrauchte Exlibris. Auf dem Bild erscheint ein schwebender Mensch mit langem Haar vor dunklem Hintergrund. Unterbrochen wird dieser von einer Sonne, umgeben von mehreren Sternen. Am unteren rechten Bildrand schwebt ein kreisrunder Körper, der als Planet gedeutet werden kann. Ein mit Flammenbildern bekröntes Schriftband, auf welchem das Schillerzitat „NVR DVRCH DAS MORGENTOR DES SCHONEN / DRANGST DU IN DER ERKENNTNIS Lan[D]“ zu lesen ist, durchquert hinter der schwebenden Figur die Szenerie.

Exlibris von Walter Grünert

Als dritter Vermerk zeigt sich ein bis 1945 verwendeter Stempel der Bibliothek des Lindenau-Museums. Aufgrund der zeitlichen Überschneidung ist anzunehmen, dass der Band während der Dienstzeit Grünerts an das Museum gelangte.

Herman Anders Krüger

Ein besonders schönes Beispiel für ein Exlibris findet sich im ersten Band der Autobiographie von Wilhelm Bode: Mein Leben, 1. Bd. Berlin 1930, (Lindenau-Museum Altenburg, B 900 Bode). Die zweifarbige Grafik ist 1902 von Gustav Petzold geschaffen worden. Auf blauem Papier gedruckt, erscheint vor rot gefärbtem Hintergrund die Halbfigur einer Frau, welche ein ebenfalls in Halbfigur gezeigtes Skelett hinterfängt. Während die Frau durch die auf ihren Schultern sitzenden Eulen und die in der linken Hand gehaltene Sanduhr als Personifikation des Todes gedeutet werden kann, ist das Skelett durch Krone und Hermelinmantel als verstorbener fürstlicher Herrscher charakterisiert. Das Motiv verweist somit eindringlich auf die Vergänglichkeit alles Irdischen.

Exlibris von Herman Anders Krüger

Unter dem Bild findet sich in zwei Zeilen notiert „Bücherzeichen des Dr. Herm. Anders Krüger“. Der Genannte ist in Altenburg beileibe kein Unbekannter. Seit 1928 hat der Literaturwissenschaftler als Direktor die Altenburger Landesbibliothek geleitet. Aus politischen Gründen wurde Krüger 1934 durch die Nationalsozialisten seines Amtes enthoben. Nur wenige Wochen nach seiner Entlassung überließ Krüger dem Lindenau-Museum, damals unter Heinrich Mocks Leitung, seine privat zusammengetragene Kollektion druckgrafischer Arbeiten. Diese großzügige Schenkung bildete den Grundstock für die Grafische Sammlung. Dass seinerzeit nicht Krügers Grafiken an das Haus gelangt sind, belegt der kleine grünfarbige Stempelabdruck „Krügers Graphicum“, der neben dem Exlibris in dem vorgestellten Buch zu finden ist.

Stempelabdruck „Krügers Graphicum“

Haben wir Ihre Neugierde geweckt? Wir freuen uns darauf, künftig weitere Geschichten aus der Bibliothek des Lindenau-Museums mit Ihnen zu teilen.

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