Frühe italienische Malerei

Guido da Siena, Anbetung der Heiligen Drei Könige, um 1270–80 (Detail)

Bartolo di Fredi, Christus am Kreuz, von Heiligen angebetet, um 1375-85 (Detail)

Luca Signorelli, Geißelung Christi, um 1507 (Detail)

Fra Angelico, Feuerprobe des heiligen Franziskus vor dem Sultan, 1429 (Detail)

Neri di Bicci, Geburt Christi, um 1470-80 (Detail)

Sano di Pietro, Heimkehr Mariens aus dem Tempel, um 1448-52 (Detail)

Die Sammlung früher italienischer Tafelmalerei im Lindenau-Museum ist weltberühmt. Sie gehört zu den ursprünglichen, von Bernhard August von Lindenau angelegten Sammlungen des Museums und ist eines der ersten Zeugnisse für das im 19. Jahrhundert in Deutschland mit der Romantik aufkommende Interesse an der "vorraffaelischen Malerei", der Kunst der Vor- und Frührenaissance. Mit 180 Tafeln des 13. bis 16. Jahrhunderts ist sie heute eine der größten und schönsten europäischen Sammlungen außerhalb Italiens.

Charakteristisch für die frühe italienische Kunst ist eine Herauslösung der Sphäre des Irdischen und Weltlichen aus dem ganzheitlichen religiösen Weltbild der byzantinischen Malerei, eine Neuentdeckung irdischer Schönheit, in der sich die Säkularisierungs- und Emanzipationsbewegungen der Hochrenaissance vorbereiten. Die Altenburger Sammlung ist in der Tradition Lindenaus nach Schulen geordnet. Zur Schule von Siena, die sich mit dem subtilen spirituellen Glanz ihrer Bilder noch eng an die byzantinische Malerei, die "maniera greca", anlehnte, gehören Tafeln aus dem Umkreis von Guido da Siena und Werke von Pietro Lorenzetti, Lippo Memmi, Giovanni di Paolo und Sano di Pietro.

 

Die Schule von Florenz, die sich schon ganz der rationalen Intellektualität der Neuzeit mit ihrem Sinn für das Konstruktive zuneigte, ist unter anderem mit Tafeln von Bernardo Daddi, Lorenzo Monaco, Masaccio, Filippo Lippi, Fra Angelico und mit dem wohl berühmtesten Altenburger Gemälde, dem Bildnis einer vornehmen Frau als Heilige (Catarina Sforza) von Sandro Botticelli vertreten. Eine dritte Gruppe bilden die Werke umbrischer und oberitalienischer Maler, unter ihnen Künstler wie Luca Signorelli, Pietro Perugino, Marco Zoppo und Giovanni Santi, der Vater Raffaels, die, abseits der urbanen toskanischen Kunstzentren, die neuen Tendenzen der Frührenaissance in anderen, regionalen Prägungen aufnahmen.

Die Altenburger Sammlung früher italienischer Malerei wurde 1961 von Robert Oertel in einem umfassenden, noch heute beispielhaften Katalog beschrieben. Seitdem hat die weitere kunsthistorische und gemäldetechnische Erforschung der Sammlung zu einer Reihe von neuen Erkenntnissen geführt, die seit Ende der neunziger Jahre von einer internationalen Forschergruppe in einem neuen Bestandskatalog publiziert werden. Die Bände I und II zur florentinischen und zur sienesischen Malerei liegen bereits vor.

 

Online-Sammlung "Frühe italienische Malerei"

114 Seliger Franziskus von Siena

Pietro Perugino (Pietro di Cristoforo Vannucci, um 1445/1448–1523), Werkstatt
1505/1506
(Tafel des Hochaltars von Santissima Annunziata in Florenz)
158 x 64,5 cm
Tempera auf Holz
Inv. Nr. 114

115 Heilige Margarethe von Antiochia

Pietro Perugino (Pietro di Cristoforo Vannucci, um 1445/1448–1523)
1505/1506
(Tafel des Hochaltars von Santissima Annunziata in Florenz)
157,5 x 64,8 cm
Tempera auf Pappelholz
Inv. Nr. 115

116 Brustbild eines Mannes, gehalten von Putti

Giovanni Battista Bertucci d. Ä. zugeschrieben (nachweisbar 1495–1516), Werkstatt
Anfang 16. Jahrhundert
(eine von acht Bildtafeln aus einer Raumdekoration)
54,5 x 111 cm
Tempera auf Fichtenholz
Inv. Nr. 116

117 Brustbild eines bärtigen Mannes, gehalten von Putti

Giovanni Battista Bertucci d. Ä. zugeschrieben (nachweisbar 1495–1516), Werkstatt
Anfang 16. Jahrhundert
(eine von acht Bildtafeln aus einer Raumdekoration)
54,5 x 111 cm
Tempera auf Fichtenholz
Inv. Nr. 117

118 Groteskendarstellung mit Giebelfeld und großer Maske (dunkle geflügelte Fabelwesen)

Giovanni Battista Bertucci d. Ä. zugeschrieben (nachweisbar 1495–1516), Werkstatt
Anfang 16. Jahrhundert
(eine von acht Bildtafeln aus einer Raumdekoration)
72 x 102 cm
Tempera auf Fichtenholz
Inv. Nr. 118

119 Groteskendarstellung mit Giebelfeld und großer Maske (helle geflügelte Fabelwesen)

Giovanni Battista Bertucci d. Ä. zugeschrieben (nachweisbar 1495–1516), Werkstatt
Anfang 16. Jahrhundert
(eine von acht Bildtafeln aus einer Raumdekoration)
72 x 102 cm
Tempera auf Fichtenholz
Inv. Nr. 119

120 Groteskendarstellung mit den Tugenden Caritas und Prudentia

Giovanni Battista Bertucci d. Ä. zugeschrieben (nachweisbar 1495–1516), Werkstatt
Anfang 16. Jahrhundert
(eine von acht Bildtafeln aus einer Raumdekoration)
Tempera auf Fichtenholz
Inv. Nr. 120

121 Groteskendarstellung mit den Tugenden Temperantia und Justitia

Giovanni Battista Bertucci d. Ä. zugeschrieben (nachweisbar 1495–1516), Werkstatt
Anfang 16. Jahrhundert
(eine von acht Bildtafeln aus einer Raumdekoration)
61 x 125 cm
Tempera auf Holz
Inv. Nr. 121

122 Groteskendarstellung mit Schilden, Äxten und Fackeln (Schatten rechts)

Giovanni Battista Bertucci d. Ä. zugeschrieben (nachweisbar 1495–1516), Werkstatt
Anfang 16. Jahrhundert
(eine von acht Bildtafeln aus einer Raumdekoration)
74 x 65 cm
Tempera auf Fichtenholz
Inv. Nr. 122