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Vier Ausstellungen in vier Museen des Altenburger Landes

2019 jährt sich der Geburtstag Alexander von Humboldts (1769–1859) zum zweihundertfünfzigsten Mal. Auf der ganzen Welt finden Veranstaltungen und Ausstellungen statt, um an den Forschungsreisenden und Naturwissenschaftler zu erinnern. Alexander von Humboldt zog seine Zeitgenossen mit seinen fesselnden Berichten von fernen Ländern in den Bann, seine naturwissenschaftlichen Forschungen regten zur Nachahmung an.

Der Einfluss des großen Gelehrten reichte bis in die kleinsten deutschen Staaten und Städte. Bürger wie Regenten fühlten sich angespornt, mit der neuen Welt in Austausch zu treten, Sammlungen anzulegen, diese zu erforschen, zu zeichnen und zu publizieren. Im Herzogtum Sachsen-Gotha-Altenburg standen Franz Xaver von Zach und Bernhard August von Lindenau mit Alexander von Humboldt in direktem Austausch. Sie lieferten Karten für Humboldts Reisewerk und Lindenau schmiedete gar Pläne für eine Forschungsreise, die er mit Humboldt gemeinsam unternehmen wollte.

Die Museen des Altenburger Landes nehmen in einer gemeinsamen Ausstellungsreihe das Leben Alexander von Humboldts und sein Wirken auf die Region in den Blick. Dabei wird deutlich, dass alles mit allem in Zusammenhang steht und Humboldt immer wieder den Mittelpunkt bildet. Von ihm wurden nicht nur bedeutende Wissenschaftler der Region, wie Alfred Brehm oder Anton Goering, inspiriert, sondern auch die Mitglieder der Naturforschenden Gesellschaft des Osterlandes und der Herzog von Sachsen-Altenburg.

Die Ausstellungen in den Altenburger Museen und im Museum Burg Posterstein fassen das Wissen um den Universalisten und die auf sein Vorbild zurückgehenden Forschungen zusammen und erlauben einen naturwissenschaftlichen und kulturgeschichtlichen Spaziergang durch die Region.

Naturkundemuseum Mauritianum, Sammeln und Forschen im Geiste Humboldts, 30. Juni 2019 bis März 2020

Residenzschloss Altenburg, Herzöge auf Spitzbergen, Prinzen am Amazonas: Adlige Entdecker in der Nachfolge Humboldts, 18. August bis 3. November 2019

Lindenau-Museum Altenburg, Altenburg und die Welt, 22. August bis 1. Januar 2020

Museum Burg Posterstein, „Wem Gott will eine Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt“ – Aus Schönhaide nach Südamerika: Der Vogelkundler, Zeichner und Maler Anton Göring, 1. September bis 17. November 2019

Altenburg und die Welt beschäftigt sich zunächst mit den Inspirationen, die Humboldt erhielt und beleuchtet Georg Forster

1790 unternahm Humboldt gemeinsam mit dem Naturforscher und Revolutionär Georg Forster (1754–1794) eine Reise an den Rhein, in die Niederlande, nach England und Frankreich, die ihn nachhaltig prägte. In seinem „Kosmos“ (1845) sprach Humboldt von Forster als dem „berühmten Lehrer und Freund, dessen Namen ich nie ohne das innigste Dankgefühl ausspreche“. Er würdigte ihn als Begründer einer „neuen Ära wissenschaftlicher Reisen, deren Zweck vergleichende Völker- und Länderkunde ist“.

Georg Forster hatte 1772 bis 1775 als junger Mann mit seinem Vater an der zweiten Weltumsegelung von James Cook (1728–1779) teilgenommen. Seine zwei Jahre später zunächst auf Englisch erschienene „Reise um die Welt“ markiert in ihrer Mischung aus exakter Beschreibung und philosophischer Reflexion den Beginn der modernen Reiseliteratur. Auch Cooks dritte Weltumseglung, die mit dem Tod des Entdeckers endete, wurde in einer Reisebeschreibung dokumentiert. Sie fand Eingang in Lindenaus Kunstbibliothek. Auf Humboldt haben Cook und Forster großen Einfluss ausgeübt.

In der Forschungsbibliothek in Gotha sind seit 1781 insgesamt 32 Zeichnungen Georg Forsters versammelt, die er während seiner Weltreisen fertigte. Es handelt sich um Tier- und Pflanzenmotive. Durch Vermittlung Johann Wolfgang von Goethes gelangten sie in die Sammlung von Herzog Ernst II. von Sachsen-Gotha-Altenburg.

Zu Lindenaus Büchern, die aus der Zeit vor Humboldts Reise nach Südamerika stammen und damit vermutlich ebenfalls großen Einfluss auf den Forscher ausübten, gehört der Bericht von Jean-François de Galaup de La Pérouse (1741–1788). Der Franzose segelte zunächst von 1772 bis 1776 im Indischen Ozean zwischen Mauritius und Madagaskar. Anschließend bereiste er im Auftrag seines Königs Ludwig XVI., der den englischen Erfolgen unter James Cook nacheifern wollte, mit zwei Schiffen, der Astrolabe und der Boussole, Amerika, Asien und Australien. Die Expedition wurde von bedeutenden Wissenschaftlern begleitet. Sie fand in Frankreich und Europa großes öffentliches Interesse, endete aber tragisch in einem Seesturm.

Arbeitszimmer Alexanders von Humboldt, Lithografie von Bardtenschlager nach einem Aquarell von E. Hildebrandt, 1848, Lindenau-Museum Altenburg

Dann geht es natürlich um die Beziehungen Alexander von Humboldts und Bernhard August von Lindenau, ohne die es die Ausstellung in Altenburg gar nicht geben würde.

Als Alexander von Humboldt 1804 von seiner großen Reise durch Amerika in seine Wahlheimat Paris zurückkehrt, ist er ein Star, dessen Leistungen von Laien und Fachleuten bewundert werden. Sogleich beginnt er, die Publikation seiner Forschungsergebnisse vorzubereiten. Dafür benötigt er nicht nur viel Geld, sondern auch die Unterstützung anderer Wissenschaftler. Einer von ihnen ist Bernhard August von Lindenau, zu dieser Zeit Astronom in Gotha.

Am 18. März 1812 treffen sich Humboldt und Lindenau in Paris in der berühmten polytechnischen Schule des Physikers Gay Lussac (1778–1850). Zugleich wird der Altenburger in die Welt der französischen Wissenschaftler eingeführt, ein Netzwerk, das bis an Lindenaus Lebensende fortwirkt. Bereits vor ihrer persönlichen Begegnung standen die beiden deutschen Forscher im Briefaustausch. 1809 bittet Humboldt Lindenau um die Bereitstellung einer Karte von Mittelamerika. Lindenau bespricht die Bände des großen Reisewerks in der wichtigen, von ihm in Gotha herausgegebenen astronomisch-geografischen Zeitschrift „Monatliche Correspondenz“.

Nach dem Sturz Napoleons schmiedet Lindenau ernsthafte Pläne, gemeinsam mit Humboldt auf Reisen zu gehen, was vor allem an seiner politischen Karriere scheitert. Beide bleiben aber weiter in Kontakt, unterstützen sich gegenseitig bei öffentlichen Aufgaben und verfolgen die Publikationen des jeweils anderen. In seinem „Kosmos“ schreibt Humboldt über Lindenau: „... ein mir lange befreundeter, hochverdienter Astronom“.

Tanz der Ureinwohner von New South Wales, Walter Preston (1777-?) nach einer Zeichnung von James Wallis, um 1818, in: An historical account of the Colony of New South Wales and its dependent settlements; London 1821, Lindenau-Museum Altenburg

Die Reisewerke in Bernhard von Lindenaus Kunstbibliothek

Fünf der insgesamt 30 Bände der großen Dokumentation Alexander von Humboldts seiner Reise nach Amerika in den Jahren 1800 bis 1804 befinden sich in Lindenaus Kunstbibliothek. Sie nehmen einen zentralen Platz in der Kategorie „K Geschichte und Geographie mit ihren Hilfswissenschaften“ ein. Lindenau erachtete die Werke über Reisen vor allem dann als wichtig für seine Sammlungen, wenn die Abbildungen künstlerisch wertvoll waren und zur Bildung in seiner Kunstschule dienen konnten.

Humboldts Reisen, sein universeller Forschungsansatz und seine Publikationen waren beispielgebend für Forschungsreisen im 19. Jahrhundert. Folgerichtig sammelte Lindenau auch die Ergebnisse der Nachfolger Humboldts in Europa. Manche Vorhaben förderten Humboldt und Lindenau jeweils auf ihre Weise. Den unmittelbarsten Bezug zu Humboldt hatte der deutsch-baltische General Adam Joseph von Krusenstern (1770–1846). Beide kannten sich, beide waren in den Pariser und Berliner Salons gefeierte Gäste. Beider Werke wurden von Lindenau in der „Monatlichen Correspondenz“ besprochen.

Am häufigsten vertreten in Lindenaus Bibliothek sind die Berichte über die französischen Forschungsreisen, unter ihnen die Reisen von Louis de Freycinet (1779–1842), der 1801 bis1804 und 1817 bis1820 um die Welt reiste. Freycinets wissenschaftliche Leistungen fanden große Aufmerksamkeit und wurden auch von Humboldt gewürdigt. Von diesem gefördert wurden die Reisen von Moritz Rugendas (1802–1858) nach Brasilien.

Für die Ausstellung sind jene Werke ausgewählt, die sich besonders mit Amerika und Australien beschäftigen. Sie sind sowohl hier als auch auf den Tischen in der Kunstbibliothek zu sehen.

Inselbewohner und Monumentalstatuen der Osterinsel, John Godefroy (1771-1893) nach einer Zeichnung von Gaspard Duché de Vancy (1756-1788), Tafel II in: Atlas du Voyage de la Pérouse, 1785-1788, Lindenau-Museum Altenburg

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